Aus: "Werte der deutschen Heimat" - Gebiet Königstein Sächsische Schweiz; Richard Vogel; Akademieverlag Berlin, 1957

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Der Gammerig

ist eine Felspartie von 253 m Höhe, unmittelbar an der Straße Rathen—Waltersdorf gelegen. Er bildet den NW-Rand der Waltersdorf er Hochfläche. Mit Carolastein (E 18), Fritschenstein 259 m (F 2), Buchsstein 246 m hat er wohl einst eine zusammenhängende Platte gebildet, deren Fläche 20—40 m höher gelegen war als die heutige Waltersdorfer Ebenheit. Die Umsicht vom Gammeriggipfel zeigt hinter den Polenz- und Brandwänden ein noch höheres Stockwerk, die Riedel-fläche des Brand (330 — 340 m), so daß sich hier die Frage nach der Entstehung dieser breitausladenden Flächen in verschiedener Höhenlage aufdrängt. Ihr soll später bei Ausblicken (H 10, F 12) nachgegangen werden.

Dem Gammerig haben die von NW und 0 her einschneidenden Kessel und Rinnen des Koppelsgrundes seine heutige aufgelöste Gestalt gegeben. Gammerig-Scheibe, Gammerig-Wächter, Gammerig-Kegel, Heidebrüder-Turm sind die Einzelfelsen, die das kleine Felsmassiv für die Kletterer interessant machen. Der Name ist slawisch (ähnlich wie Gamig bei Dresden) und bedeutet Stein. Auf oeders Karte 1592 heißt er Gamigkstein. Für den Geologen ist der Gammerig interessant wegen seiner Höhle an der S-Seite. Wir befinden uns hier im unteren Höhlenhorizont (y3 der Übersicht) und wundern uns deshalb nicht, daß es hier zur Auswitterung einer Schichthöhle gekommen ist. Werkzeugspuren lassen auf Erweiterungsarbeiten schließen. An den Wänden treten Felsbänder hervor und bewirken bankweise Abtragungen im kleinen. Die Ergebnisse der chemischen Verwitterung sind in der Höhle allenthalben festzustellen: Alaun an den Wänden und im Krümelsand, Gipsüberzüge, braune Eisenausscheidungen, Wabenbildung.