Eine Harzreise - Silvester 2002

Der Hexentanzplatz

Die Walpurgisnacht auf dem Hexentanzplatz

Dem Roßtrappenfelsen gegenüber liegt der fünfzig Meter höhere Hexentanzplatz. Es wird berichtet, dass in der Nacht vom 30. April zum l. Mai die Hexen aus allen Himmelsrichtungen auf Besen, Forken, alten Fässern und Ziegenböcken dem Hexentanzplatz bei Thale zustreben, um dort ihre Walpurgisnacht zu feiern. Auf einer gewaltigen Felsenkanzel sitzt der Teufel und läßt sich von den Hexen berichten, was sie im abgelaufenen Jahr an bösen Taten verrichtet haben. Wehe jedoch, hat eine Hexe den Menschen Gutes erwiesen, so wird sie von den Häschern des Teufels gepackt und vom Felsen herab in das wilde Tal der Bode geschleudert. Ihre Todesschreie soll man im ganzen Harz gehört haben. Höllenfeuer werden auf dem Tanzplatz der Hexen entzündet und übel riechende Getränke über diesem gebraut. Ein entfesseltes Treiben setzt ein. Über die Felsen jagen die kreischenden Hexen einher. Kein Menschenauge darf die Scheußlichkeiten mit ansehen, sonst erblindet es. Die ganze Nacht währt das Jaulen, Schreien und Zetern, so daß die Eulen entsetzt das Weite suchen. Wenn jedoch die ersten Sonnenstrahlen die Berggipfel vergolden, ist der ganze Spuk vorbei und die Hexen kehren nach Hause zurück. Im Volksmund sind aber neben dem Hexentanzplatz alle einsam gelegenen Berggipfel sogenannte Blocksberge. Der unheimlichste war und ist jedoch der Brocken. In vielen Liedern, Gedichten und natürlich Sagen werden die seltsamsten Erscheinungen und Begebenheiten beschrieben.

Volksmund:

"Liebe Mutter! Heute Nacht heulte Regen und Wind."

"S'ist heute der l, Mai, liebes Kind."

"Liebe Mutter! Es donnert auf dem Brocken oben."

"Liebes Kind! Es waren die Hexen droben."

"Ach Mutter! Dein Bett war leer in der Nacht!"

"Deine Mutter hat auf dem Brocken gewacht!"


Mit etwas Schmunzeln erübrigt sich wohl jetzt die Frage, wen man früher als Hexen des Harzes ansah. Wer aber sollte der Teufel sein?

War es ein Festhalten an der alten Götterwelt, die man in vielen Sagen wiederfindet, oder war es der Aberglaube und die Hilflosigkeit den unberechenbaren Naturgewalten gegenüber? Da der Harz sehr häufig von Unwettern und mächtigen Stürmen heimgesucht wird, regt dies natürlich die Phantasie der Menschen an, denn unbekannte Laute und nicht zu erkennende Schatten lassen einem einen Schauer über den Rücken laufen. Wie muss dies dann erst vor Jahrhunderten gewesen sein, wenn ein einsamer Wanderer mitten im Harz von solch einem Wetter überrascht wurde? Konnte er da nicht, wenn er wieder unter Menschen kam, die seltsamsten Geschichten erzählen? Kein geringerer als Johann Wolfgang von Goethe, der den Harz, das Bodetal und sogar den Brocken mehrfach aufsuchte, verstand es, die Naturgewalten so treffend zu beschreiben.

Mephisto zu Dr. Faust:

"Höre, wie's durch die Lüfte kracht!
Aufgescheucht fliegen die Eulen.
Hör, es splittern die Säulen
ewig grüner Paläste.
Girren und brechen die Äste
der Stämme mächtiges Dröhnen!
Der Wurzeln Knarren und Gähnen!
In fürchterlich verworrenem Falle
übereinander krachen sie alle.
Und durch die übertrümmerten Klüfte
zischen und heulen die Lüfte.
Hörst du die Stimmen in der Höhe?
In der Ferne, in der Nähe?
Ja, den ganzen Berg entlang
strömt ein wütender Zaubergesang!
Die Hexen zu dem Brocken ziehen."

Quelle: "Auf den Spuren der schönsten Harzsagen; HG: Horst Müller; Q-Druck GmbH; Quedlinburg

 

 

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